Hust*Röchel*Schnief

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Krank sein ist doof. 

Wenn Du diesen Satz bei Google eingibst, kommen 448.000 Ergebnisse.

Bei „krank sein ist blöd“ weitere 566.000.

Wenn ich dann die angezeigten Beiträge anklicke, kommen entweder (halb-)lustige Sprüche wie „Krankheit ist der Weg deines Körpers, dir zu sagen, dass du fünf Staffeln irgendeiner Serie gucken sollst“.

Oder (halb-)lustige Beiträge von Bloggern oder YouTubern, die sich schriftlich oder per Video abmelden („bin krank, heute kein Beitrag von mir“), oder die lustige Anekdötchen über die aktuellen Krankheiten von sich oder ihren Kindern erzählen.

Die Gegenprobe „gesund sein ist schön“ hingegen kommt eher bierernst daher (und damit irgendwie todtraurig):

„Wahre Schönheit kommt von innen- das ist nicht nur ein Spruch. Denn schöne Haut, Haare und Nägel zeugen von einem gesunden Leben.“, „Das schöne daran, eine Frau über 40 zu sein“ oder „TOP EVENT Ganz.schön.gesund.sein – ROBINSON“.

Aber das immerhin 1.130.000 mal.

Warum schreibe ich das?

Gerade jetzt geht wieder die Krankheitswelle um – und auch ich sitze krank auf dem Sofa, während ich diese Zeilen schreibe. Und, ja, ich habe letzte Woche auch gearbeitet, obwohl ich schon krank war.

Vor einiger Zeit haben wir aus genau diesem Anlass eine Folge zum Thema Präsentismus aufgenommen (was seitdem zum geflügelten Wort geworden ist) – oder anders ausgedrückt: darum, wenn man sich krank zur Arbeit schleppt.

Inspiriert wurden wir für diese Folge von einem Artikel in impulse, den wir gelesen hatten. Darin ging es um die negativen Folgen von Präsentismus (die Googlesuche ergab übrigens 38.800 Treffer), und um die Gründe, warum sich Mitarbeiter krank zur Arbeit schleppen.

  1. (falsch verstandene) Kollegialität:

Ich kann doch meine Kollegen nicht im Stich lassen (super – dann steckst Du sie lieber an?!)

  1. Soziales Ansehen:

Ich kann es mir nicht leisten, Schwäche zu zeigen (nur die Harten komm‘ in Garten)

  1. Pflichtgefühl:

Ich möchte wichtige Kunden nicht warten, und wichtige Aufgaben nicht unerledigt lassen (ohne mich läuft ja eh nichts)

  1. Angst vor negativen Konsequenzen:

Ich befürchte, meinen Arbeitsplatz zu verlieren (ich sehe schon den Chef vor mir: „Du hast Schnupfen? Hier ist die Kündigung!“)

  1. Suche nach einer Ablenkung:

Mir fällt zuhause die Decke auf den Kopf (an den Füßen spielen kann ich auch auf der Arbeit, da hab ich wenigstens Gesellschaft)

Hallo!? Geht’s noch?!?

Wir sprechen jetzt hier nicht von nem kleinen Schnuppen, sondern von richtig krank. Denn dann sollten wir unser Popöchen schön zu Hause lassen, uns auskurieren, die Kollegen nicht anstecken, vielleicht für wichtige Fragen telefonisch zur Verfügung stehen – und uns ausruhen.

Ich glaube aber, dass ein wichtiges Motiv vergessen wurde:

  1. Aufmerksamkeit:

Über nichts wird mehr und vor allem unterhaltsamer gesprochen als über Chaos, Krankheiten und Katastrophen. Schleppst Du Dich krank zur Arbeit, bist Du automatisch der Mittelpunkt – und wenn Du gut bist, kannst Du Deine Krankheitsgeschichte noch ein wenig ausschmücken.

Wie Du von Deinem eigenen Schnarchen wachgeworden bist.

Wie Du beim Arzt angerufen hast, und Dir eine Wartezeit von 5 Stunden angekündigt wurde (und Dein Nachbar, der privatversichert ist, sofort einen Termin bekam).

Wie Du durch die halbe Stadt gefahren bist, um die Zutaten für den altbewährten Hustensaft nach Ommas Rezept zu bekommen – und ihn dann nicht runterbekommen hast, weil er so eklig schmeckte.

Manchmal fördert es den Heilungsprozess, wenn man von anderen bemitleidet wird.

In dem Sinne – vielleicht doch lieber arbeiten gehen. Dann bist Du schneller wieder gesund 😉

Alles Liebe und vor allem GESUNDHEIT! 🙂

Hier geht’s noch mal zu unserer Folge.

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