Monat: Mai 2018

Eine junge Mutter steht mit ihrem dreijährigen Sohn an der Eistheke. „Nun entscheide dich endlich!“, ruft sie ungeduldig. Der Junge langt nach einem Flutschfinger, fühlt an der Verpackung. Legt ihn wieder zurück. Greift nach einem Capri-Eis, schaut seine Mutter an. Sie nimmt es, geht damit zur Kasse und bezahlt. Als sie die Verpackung öffnet und ihm das Eis in die Hand drückt, weint der Junge.

Er hat die falsche Entscheidung getroffen.

Wir lernen früh, dass wir uns entscheiden müssen. Dass es nur ein Entweder – Oder gibt. Und wie bitter es ist, sich falsch entschieden zu haben – denn meistens gibt es kein Zurück mehr.

Wenn wir erwachsen sind, erfinden wir Tools, um bessere Entscheidungen treffen zu können.

Wir schaffen uns Routinen, um weniger Entscheidungen treffen zu müssen. Wir trainieren unseren Entscheidungsmuskel. Weil wir panische Angst haben, die falsche Entscheidung zu fällen.

 Weil wir schon als Kinder gelernt haben, wie weh das tut.

 Manche Menschen machen es sich leicht, und hören einfach auf damit. Dann entscheidet das Leben für sie. Auch das kann weh tun.

Wir kommen nicht darum herum – wir müssen eine Entscheidung treffen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir unser Leben selber in die Hand nehmen und bewusste Entscheidungen fällen wollen. Oder ob nicht.

Kürzlich haben wir ein Interview mit Reimo Schaupp geführt zum Thema – na? – Entscheidungen.

Er sagt, dass alle Tools und Methoden, die uns helfen sollen, bessere Entscheidungen zu fällen, nur an der Oberfläche kratzen. Nur die Spitze des Eisbergs berühren.

Richtig spannend wird es erst unter Wasser. Denn unter Wasser lauern die Mythen.

Zum Beispiel der Bewusstseins-Mythos: wir glauben laut Reimo nämlich nur, dass wir uns unsere Entscheidungen bewusst und rational treffen – unser Unterbewusstsein übernimmt meistens die Steuerung und entscheidet FÜR uns.

Oder der Alternativlos-Mythos: hast du schon einmal „ich kann nicht“ gesagt? „Ich kann nicht zu deiner Party kommen“. Quatsch! Natürlich könntest du – der Preis ist dir nur zu hoch.

Dazu kommen noch der Samariter-Mythos, der Motivations-Mythos und das Warum hinter dem Warum. (Möchtest du mehr dazu wissen? Dann hör dir das komplette Interview an – oder schau mal auf Reimos Website)

Das Entscheidende dabei ist: wenn wir wissen, auf welcher Basis wir Entscheidungen fällen, und welchem Mythos wir gerade auf den Leim gehen, können wir bewusster – und damit besser entscheiden. Und wenn wir uns bewusster entscheiden, bereuen wir auch nichts.

Manchmal gehen Songtitel tatsächlich in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Tatsächlich war dieser Satz, zumindest in meiner Familie, ein geflügeltes Wort – ein Scherz, der bei jedem Krimirätsel gemacht wurde. Und auch jetzt, wo ich mich daranmache, einen Blogartikel zum Thema „Karrierekiller Nr. 1“ zu schreiben, kam mir dieser Satz wieder in den Sinn (was ich nicht wusste war, dass das tatsächlich der Titel eines Reinhard-Mey-Liedes von 1971 war..).

In diesem Fall stimmt das Klischee aus den alten Edgar-Wallace-Filmen nicht.

Denn: der Mörder deiner Karriere ist nicht der Gärtner.

Sondern du selber.

„Whaaaat!!!!“, sagst du jetzt bestimmt, „wie kann ich denn der Mörder (oder die Mörderin) meiner eigenen Karriere sein, wenn diese mir so am Herzen liegt?“.

Nun ja – wenn dir deine Karriere wichtig ist, und dein Ziel es ist, noch weiter die Karriereleiter hochzuklettern (in der Hoffnung, dass diese an der richtigen Wand steht – mehr dazu in dem spannenden Interview mit Reimo Schaupp, das am 13.5. veröffentlicht wird), achtest du bestimmt darauf, dass du sehr gute Leistungen ablieferst.

Das ist auch wichtig – aber Achtung: das alleine ist noch kein Garant!

Bei karriere.at haben wir eine Studie gefunden, was für deine Karriere noch entscheidend ist. Diese wären:

  • Ein Ziel und einen Plan haben, wie du dieses erreichen möchtest
  • Ein adäquates Selbstbewusstsein
  • Die Fähigkeit, auch nach Misserfolgen weiterzumachen und dich von ihnen nicht herunterziehen zu lassen
  • Furchtlos sein
  • Ein gutes Eigenmarketing betreiben

(interessanterweise stelle ich gerade fest, dass dies alles Eigenschaften von resilienten Menschen generell sind: Zielorientierung. Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Optimismus. Emotionssteuerung. Impulskontrolle. Mehr zum Thema Resilienz kannst du hier nachhören)

Wir glauben allerdings, dass in Zukunft noch andere Dinge elementar wichtig sein werden: Menschen mitnehmen zu können. Menschen einschätzen und nach ihren Stärken einsetzen zu können. Sich selber zugunsten des großen Ganzen zurücknehmen zu können. Und, ganz wichtig – die Bereitschaft, immer weiter zu lernen. (also die restlichen Resilienzfaktoren Empathie und Kausalanalyse :-))

Und wenn deine Karriere dann immer noch stirbt, war es vielleicht doch der Gärtner 🙂

Kaum ein Tag vergeht, an dem in den verschiedenen Medien nicht über Digitalisierung gesprochen wird. Im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben häufig negativ:  Arbeitsplätze fallen weg. Menschen werden durch Maschinen ersetzt werden. 47% der Jobs verschwinden in den nächsten 25 Jahren.

Ja, wir wissen nicht was kommt. Aber was kommt, muss nicht notwendigerweise schlechter sein.

Beispiel Roboter: welches Bild entsteht in deinem Kopf, wenn ich die Worte „Roboter“ und „Pflegeheim“ in einem Satz kombiniere? Welches Gefühl macht sich in deinem Bauch breit? Wahrscheinlich ein Negatives, richtig? Die Vorstellung, dass uns ein kalter, chromblitzender Roboterarm den – Entschuldigung – Hintern abwischt, uns füttert und uns Medikamente einflößt, während wir hilflos im Bett liegen und nicht abhauen können, ist wahrlich ein Schreckensszenario.

Aber das ist auch, von überarbeitetem, genervtem und gestresstem Pflegepersonal gewaschen und gefüttert zu werden. Das so getaktet ist, dass keine Zeit für ein persönliches Wort oder eine freundliche Geste ist. Und das zudem auch noch häufig wechselt, weil niemand diesen Job länger als ein paar Jahre machen kann – schon rein körperlich nicht.

Die heutige Realität ist leider oft näher am zweiten als am ersten Szenario. Denn, machen wir uns nichts vor: nicht alle Jobs heutzutage sind eitel Sonnenschein, sind anspruchsvoll genug, dass wir sie auch nach Jahren noch interessant finden, aber gleichzeitig nicht so stressig, dass wir nicht zielsicher in den Burnout steuern. Und nicht alle Menschen (auch nicht im Dienstleistungssektor) machen ihren Job so gut und gerne, dass es eine wahre Freude ist, sich in ihrer Gegenwart aufzuhalten.

In seinem Buch „Mythos Fachkräftmangel“ (sehr empfehlenswertes Buch!) beschreibt Martin Gaedt (sehr empfehlenswertes Interview!) ein Pflegeheim in den Niederlanden, dass bereits heute schon Roboter in der Pflege einsetzt (OMG, ich hab’s getan – ich habe beide Wörter in einem Satz verwendet!!). Und zwar beispielsweise für körperlich anstrengende Tätigkeiten, wie die Senioren aus dem oder ins Bett zu heben oder umzulagern. Das Resultat? Das Pflegepersonal wurde entlastet, fiel nicht so häufig aus Krankheitsgründen aus (der Rücken!), und hatte mehr Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt zur Verfügung, für ein liebes Wort, eine gehaltene Hand. Durch die geringeren Ausfallraten (und aus Überzeugung) wurde das Pflegepersonal zudem besser bezahlt als der Durchschnitt, und arbeitete noch lieber in diesem Heim. Das Resultat: keine unbesetzten Stellen. Kein Fachkräftemangel. Glückliche Mitarbeiter. Glückliche Patienten. Roboter im Pflegeheim.

Deshalb an dieser Stelle ausdrücklich: Digitalisierung ist nicht per se schlecht. Im Gegenteil: sie bietet viele Chancen – wenn man ein wenig nachdenkt und flexibel ist.

Womit wir schon bei einem Problem Deutschlands angelangt sind: der Flexibilität.

Wie eingangs erwähnt, sind laut einer Oxford-Studie aus dem Jahr 2013 in den nächsten 25 Jahren fast die Hälfte der heutigen Jobs in Gefahr.

Gleichzeitig entstehen neue Jobs, von denen wir heute noch gar nichts wissen. Und genau hier liegt der Hund begraben:

Deutschland ist ein Ausbildungsland. Viele Länder beneiden uns um das System der dualen Ausbildung, der Kombination aus praktischem Lernen im Unternehmen und Theorieunterricht in der Berufsschule. Dadurch erlangen Arbeitnehmer ein fundiertes Wissen in ihrem Bereich – soweit, so gut.

Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass sich Firmen schwer damit tun, Bewerber als Quereinsteiger in einen nicht erlernten Beruf einzustellen. Weil es schlicht und einfach vom System nicht vorgesehen ist, dass wir einen Beruf ausüben, den wir nicht von der Pieke auf gelernt haben.

Und da es über Jahre und Jahrzehnte auch gar nicht üblich war (viele Arbeitnehmer aus den Geburtsjahrgängen bis in die 1980er Jahre hinein sind mit der Erwartung in eine Ausbildung gegangen, in dieser Firma auch in Rente zu gehen), sind viele Unternehmen, sind viele Personaler noch in der alten Denke verhaftet. Und tun sich folglich schwer damit, Quereinsteiger einzustellen.

Aber genau diese Flexibilität im Denken und im Handeln, dieses Zulassen von Ungewöhnlichem, und ja, die Akzeptanz von „ungeraden“ Lebensläufen, brauchen wir, um zukunftsfähig zu bleiben – sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Arbeitnehmern.

Quereinsteiger werden in den kommenden Jahren einen immer größeren Teil der Bewerber ausmachen (müssen). Angelsächsische Länder sind uns in diesem Punkt um Jahrzehnte voraus: sie kennen unser System einer 3-jährigen dualen Ausbildung nicht. Die meisten Arbeitnehmer werden „on the job“ angelernt, und sind folglich per se Quereinsteiger. Das führt zu einer generellen Offenheit gegenüber Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen. Und das hilft, auch „nach vorne“ offen zu sein. Und flexibel.

Lasst uns ein bisschen querer sein, ein bisschen schräger, ein bisschen ungewöhnlicher. Das öffnet den Horizont – unseren eigenen. Und den unseres Landes.

(kürzlich haben wir eine Podcastfolge zum Thema Quereinstieg (und wie er gelingt) gemacht. Hier findest du sie)

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