Goldmarie oder Pechmarie? In 7 Schritten zu einer neuen inneren Haltung

 

Warum gibt es Menschen, die immer das kürzere Ende ziehen? Die immer Pech haben im Leben? Die immer alle Krankheiten anziehen, die immer die Montagsmodelle zu erwischen scheinen, die als erste kaputt gehen, und die es immer irgendwie schaffen, in Abteilungen zu geraten, wo die Chefs A..löcher sind, die Kollegen unbequem, und die Arbeit langweilig?

Und dann gibt es Menschen, denen die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. Diese haben immer das Glück, tolle Jobs mit netten Kollegen zu ergattern, sie machen immer die tollsten Urlaubsschnäppchen (und haben dann auch noch Glück mit dem Wetter), erfreuen sich bester Gesundheit, Energie und stets guter Laune. Und dann gewinnen sie auch noch im Lotto..

Warum ist das so? Warum ist Glück so ungerecht verteilt? Warum haben manche immer Glück, und andere immer Pech? Oder ist das gar nicht so….?

Neulich las ich meinen Kindern aus einem dicken Märchenbuch vor, das vielleicht dem ein oder anderen noch bekannt ist: Die Märchen der Gebrüder Grimm. Ich habe Märchen immer schon geliebt, und liebe sie heute noch: sie sind unterhaltsam, spannend, und gehen meist gut aus. Sie können auch sehr lehrreich sein (allerdings ist hier manchmal schon Wachsamkeit geboten, weil sie zum Teil alte Glaubenssätze zementieren. Aber seit meinem letzten Blogartikel zum Thema Glaubenssätze bist du ja achtsam mit dem, was du so konsumierst ;-)).

Vor einigen Tagen also kamen wir zum Märchen von Frau Holle. Für alle, die sich nicht mehr so genau daran erinnern können, hier eine Zusammenfassung: nachdem die arme Stieftochter sich mit der Spindel in den Finger gestochen und diese versehentlich in den Brunnen fallen gelassen hatte, wurde sie von ihrer Stieftochter gezwungen, hinterher zu springen, um die Spindel wiederzuholen. Dadurch erreichte sie eine andere Welt: die Welt von Frau Holle. Frau Holle nahm das Mädchen auf, und es half ihr fortan im Haushalt: Daunendecken ausschütteln (da kommt der Schnee her), putzen, waschen usw. Als das Mädchen Heimweh bekam, wurde sie zum Dank mit Gold überschüttet und wurde fortan „Goldmarie“ genannt.

Die böse Stiefmutter wollte für ihre leibliche Tochter dasselbe und schickte sie auch zu Frau Holle. Diese war aber faul, zeterte nur herum und wurde deshalb am Ende ihres Aufenthalts mit Pech belohnt – man nannte sie seitdem „Pechmarie“.

Die Moral von der Geschicht‘? Klar, die Fleißigen werden belohnt, und die Faulen bestraft. Aber wenn du genauer hinschaust, hat das Märchen noch eine andere Bedeutung:

Goldmarie hat das ganze Märchen lang nicht gehadert mit ihrem Schicksal, sondern immer versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ihre Mutter verstarb, ihr Vater heiratete eine hartherzige Frau, die sie die ganze Arbeit machen ließ? Sie verlor trotzdem nicht ihre gute Laune und tat, was getan werden musste. Sie verlor die Spindel im Brunnen? Sie tat, was zu tun war, und sprang hinterher. Ebenso bei Frau Holle – auch hier verrichtete sie die ihr übertragenen Aufgaben voller Hingabe und war ihrer Chefin zudem auch noch eine gute Gesellschaft.

Und Pechmarie? Sie war nicht nur faul, sie war auch noch übellaunig. Und erwartete dafür auch noch eine goldige Belohnung.

Was unterschied die beiden Mädchen? Ihre innere Einstellung.

Es gibt ein schönes englisches Sprichwort: „When life gives you lemons – make lemonade“. Wortwörtlich übersetzt: mach das Beste aus deiner Situation.

Das Leben wird dir immer Zitronen liefern, mal mehr, mal weniger. Deine innere Einstellung dazu wird darüber entscheiden, was du daraus machst (und ob du sie als Zitronen ansiehst oder als Grundzutaten für leckere Limonade). Und genau darin unterscheiden sich Menschen, die „immer“ Glück haben von denen, die „immer“ Pech haben: in der Wahrnehmung und der Bewertung ihrer Situation.

Ich habe mal nachgezählt: pro Sekunde werden ca. 11 Millionen Sinneseindrücke in unserem Gehirn verarbeitet – davon nehmen wir nur ungefähr 40 bewusst wahr. Dass es nur so wenige sind, liegt an der Schutzfunktion des Gehirns (damit wir nicht verrückt werden). Aber welche nehmen wir wahr, und welche nicht? Und: wer entscheidet das?

Verantwortlich für die Entscheidung, welchen Reiz wir wahrnehmen, ist unser limbisches System, das unser instinktives Verhalten steuert. Dabei sind wir einerseits stark von evolutionären Einflüssen geprägt (kann dieser plötzlich auftretende Reiz gefährlich für uns werden? Dann „schiebt“ unser limbisches System ihn in unser Bewusstsein). Andererseits beeinflussen Vorerfahrungen unsere Wahrnehmung, besonders, wenn sie stark emotional geprägt sind. Und zum anderen nehmen wir das wahr, worauf wir einen besonderen Fokus gelegt haben (entweder bewusst und absichtlich, oder aufgrund einer für uns neuen Situation, die unseren Gemütszustand stark beeinflusst, etwa weil wir uns gerade sehr über unser neues Auto freuen und seitdem genau dieses Modell zu Hunderten in der Stadt herumfährt).

Die letzten beiden Punkte sind bedeutsam im Zusammenhang mit „immer“ Glück und „immer“ Pech. Wenn wir das Gefühl haben, dass es „immer nur uns“ trifft, und uns darüber ärgern, frustriert sind, oder sonstwie emotional aufgeladen sind, werden wir beim nächsten Mal, wenn etwas Schlimmes passiert, dieses besonders wahrnehmen und als Bestätigung unserer grundsätzlichen Pechsträhne ansehen. Wenn aber etwas Gutes passiert, werden wir uns zwar darüber freuen, es aber eher als Ausnahme ansehen und uns daran erinnern, dass wir ja sonst immer Pech haben – und damit die Erwartung auf das Negative weiter zementieren.

Genau das passiert, wenn jemand „vom Pech verfolgt“ ist oder „die Sch… magisch anzieht“. Selbstverständlich gibt es Menschen, denen mehr schlimme Dinge passieren als andere – aber auch hier entscheidet die innere Haltung darüber, ob sie sich selbst eher als Goldmarie oder als Pechmarie sehen.

Wie aber können wir unsere innere Einstellung ändern, wenn wir uns nicht länger als Pechmarie fühlen möchten? Der erste Schritt ist zunächst eine bewusste Entscheidung dafür – und die können nur wir selbst für uns fällen. Niemand kann für uns entscheiden, dass wir unsere Einstellung ändern (auch wenn so mancher Ehepartner und so manche Führungskraft das gerne tun würde…). Die Entscheidung liegt bei uns selber, genauso, wie wir die daraus resultierende Arbeit auch selber machen müssen.

Also, Schritt 1: wenn du wirklich Goldmarie sein möchtest, und nicht mehr länger Pechmarie, dann entscheide dich zunächst einmal DAFÜR. Sage dir selber, „mir reicht es, dass ich immer Pech habe / immer mir Schlimmes zustößt / ich immer krank bin“. Hinterfrage aber auch, ob du bereit bist, den Preis dafür zu zahlen. Genießt du vielleicht heimlich die Aufmerksamkeit, die du durch deine notorische Pechsträhne genießt? Die wird dann wegfallen. Willst du das wirklich? Sei dir darüber im Klaren, was du möglicherweise aufgibst. Es wird auch ein ganzes Stück Arbeit auf dich zukommen – nämlich Arbeit an dir selber. Das erfordert Durchhaltevermögen. Willst du dich darauf einlassen? Willst du es GENUG? Dann entscheide dich JETZT.

Schritt 2: Schreibe auf, welche Resultate in deinem Leben dir nicht gefallen. Gehen deine Beziehungen ständig in die Brüche? Bist du finanziell notorisch klamm? Bist du ständig krank?

Schritt 3: Überlege, was DU tust oder getan hast, um diese Resultate herbeizuführen. Lässt du dich zu schnell auf eine neue Beziehung ein, ohne den anderen richtig kennengelernt zu haben? Gibst du dir nicht wirklich Mühe, auf den anderen einzugehen, weil du tief in dir drin glaubst, dass es nicht lohnt, weil die Beziehung ohnehin kaputt gehen wird? Oder gibst du Geld aus, das du nicht wirklich hast, weil dein Konto in den Miesen ist und du denkst, dass es „eh egal“ ist? Oder ziehst du nie einen Schal an, obwohl es minus 20 Grad hat, weil das uncool ist? Beschwerst du dich darüber, dass du schlecht einschlafen kannst, sitzt aber bis nach Mitternacht vor dem Smartphone, der Flimmerkiste oder dem Laptop und ziehst dir irgendwelche Serien rein?

Sei ganz ehrlich mit dir – die Verbindung ist nicht immer so einfach oder offensichtlich wie bei diesen Beispielen, aber wir haben IMMER einen Anteil an dem, was uns zustößt. Dieser Part ist manchmal besonders schwer und auch schmerzhaft. Lass dich darauf ein. Sei ehrlich mit dir – du musst es ja niemandem erzählen J

Wenn du Gewohnheiten identifiziert hast, die mit den unerwünschten Resultaten in Zusammenhang stehen, schreib diese daneben auf den gleichen Zettel.

Schritt 4: nimm ein neues Blatt Papier, und schreibe das Resultat auf, das du dir wünscht – in der Gegenwartsform. „Ich freue mich darüber, dass ich immer genug Geld auf dem Konto habe, um so zu leben, wie ich es mir wünsche“ etwa. Oder: „Ich bin froh und dankbar darüber, dass ich jederzeit voller Energie und Gesundheit stecke“. Formuliere den Satz so, dass DU dich damit wohlfühlst, und feile an jedem Wort. Dieser Prozess kann durchaus eine Weile dauern. Versehe den Satz auch mit einem Datum, bis wann du dieses Resultat erreicht haben möchtest. Wenn du die für dich perfekte Fassung gefunden hast, schreibe sie überall hin – auf ein Kärtchen, das du in der Hosentasche trägst. Auf ein Post-it, das du an den Spiegel klebst. Und sage dir den Satz so oft es geht selber auf. Das ist deine persönliche Affirmation, deine positive Selbstbestätigung.

Schritt 5: nimm ein weiteres Blatt Papier, und gehe nun auf deine Gewohnheiten ein. Welche gute Gewohnheiten kannst du in dein Leben implementieren, um dieses Resultat zu erreichen? Welche schlechten Gewohnheiten kannst du ablegen und in gute Gewohnheiten umwandeln, um so zu leben, wie du möchtest? Schreibe die neuen, guten Gewohnheiten auf.

Schritt 6: nimm den Zettel mit den alten Resultaten und den alten Gewohnheiten und verbrenne ihn. Lies dir die neuen Ergebnisse und deine neuen Gewohnheiten durch, und freue dich über dein neues Leben. Durch das Verbrennen werden sich die Resultate nicht in Luft auflösen – es ist lediglich symbolisch, hat jedoch eine ziemliche Kraft. Fühl dich in die erwünschten Resultate ein, spüre, wie dein Leben sich anfühlt, wenn du das erreicht hast, was du erreichen möchtest. Stelle es dir vor, als ob es schon Realität wäre – und genieße es. Lade es emotional auf, so sehr du kannst.

Schritt 7: setze jeden Tag eine deiner neuen, guten Gewohnheiten in die Tat um. Wenn du deinen Tag planst, plane diese neue Gewohnheit als ein Muss mit ein. Nimm dir regelmäßig den Zettel mit deinem neuen Ergebnis zur Hand, lies ihn dir durch, schreibe das neue Ergebnis wieder und wieder auf. Spüre rein, spüre die Emotion. Das wird dir helfen, neue Gewohnheiten zu verankern und das Ergebnis zu erzielen, das du dir wünscht – nämlich Goldmarie sein. Was auch immer deine persönliche Definition von Goldmarie ist.

Unsere innere Einstellung zu ändern geht in der Regel nicht „einfach so“, auch wenn wir uns (oder andere sich) das manchmal wünschen. Auch ich habe schon Sätze gehört und, ja, ich gebe es zu, auch schon selber gesagt wie, „du musst nur wollen“ oder „das darfst du nicht so eng sehen“ oder „sei doch nicht so negativ“ oder auch „du musst an deiner Einstellung arbeiten“. Wenn eine Person tief im Pechmarie-Modus ist, helfen solche Sätze nicht wirklich. Das Schwierigste ist tatsächlich die Erkenntnis, dass wir selber verantwortlich dafür sind, wie es uns geht und was uns zustößt. Aber ist es nicht auch befreiend zu wissen, dass wir selber etwas TUN können, und unser Schicksal nicht einfach über uns ergehen lassen müssen?

Lasst uns wieder Verantwortung übernehmen: Verantwortung für unsere Einstellung. Verantwortung für unser Wohlbefinden. Verantwortung für unser Leben.

Herzlichst, deine Katja

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Do what you love – love what you do!

Ich mag weiße SUVs, große Hunde, gelbe Kleidungsstücke und Mangos. Ich liebe Sprache – ich rede gerne, schreibe gerne, höre gerne zu, lese gerne. Und ich weiß zu schätzen, wenn jemand Sprache gut einsetzen und sich schön ausdrücken kann. All das sind Vorlieben, Neigungen, Dinge, die ich gerne mag. Aber woher kommt es, dass ich mag, was ich mag – und beispielsweise Grapefruit, Teppichratten und die Farbe Rosa nicht ausstehen kann?

Wir alle haben Dinge, die wir sehr gerne mögen, und Dinge, die wir am allerliebsten den ganzen Tag lang tun würden – und dann gibt es Dinge, bei denen sich uns die Fußnägel hochrollen (und es gibt alles dazwischen). Aber was davon ist tief in uns verankert, ist durch unsere Herkunft geprägt? Und im Gegenzug dazu: welche Vorlieben haben wir uns mit der Zeit erst angeeignet (und welche Vorlieben sind davon tatsächlich unsere eigenen, und unterliegen nicht aktuellen Moden oder Trends, und sind vielleicht von einem geschickten Marketing beeinflusst)?

In einem bestimmten Alter lassen wir uns noch sehr von unserem Umfeld beeinflussen – Teenagern ist es in der Regel immens wichtig, dass sie modisch dem neuesten Trend folgen, und es lastet zum Teil großer Gruppendruck auf denen, die sich nicht die angesagten Marken leisten können oder wollen. Später finden wir dann meist unseren eigenen Stil, wir wissen, was uns steht (und was unsere Röllekes (Ruhrhochdeutsch für „Rollen“ ;-)) am besten verdeckt). Und der Druck der Gemeinschaft sinkt, alle dürfen sich so kleiden, wie sie möchten…. Oder ist das so??  Zumindest, solange wir uns in gewissen Grenzen bewegen und bestimmten Normen und ungeschriebenen Gesetzen folgen.. Wer sich äußerlich sehr unterscheidet von seinem Umfeld, wird vielleicht nicht so offensichtlich gemobbt wie auf dem Schulhof, aber dafür oft genug auf subtilere Art ausgeschlossen. Sich anzupassen wird nach wie vor belohnt – unser Erbe aus der Steinzeit, wo es überlebenswichtig war, dass die Gemeinschaft uns mit in der Höhle schlafen ließ…

Und wie sieht es denn aus mit den Dingen, die wir gerne tun? Tätigkeiten, denen wir gerne nachgehen? Arbeiten, die wir lieben? Sind diese Trends unterlegen? Lassen wir uns beeinflussen von unserer Peergroup? Auf den ersten Blick würde ich „nein“ sagen – aber bei näherem Hinschauen fallen mir die uncoolen Kids ein, die gut in Mathe waren, und die basketballspielenden Jungs, mit denen alle abhängen wollten. Wenn wir dann ins Erwachsenenleben gehen, zieht sich das weiter durch: Versicherungs- und Staubsaugervertreter sind megauncool, Programmierer waren es früher, heute sind sie die coolen Rebellen.. auch hier gibt es Trends und Meinungen, die uns beeinflussen.

Was ist aber nun, wenn dein großes Talent darin liegt, für Kunden die passende Versicherung herauszusuchen und sie dahingehend zu beraten – und dir das auch noch richtig Spaß macht? Oder wenn du es liebst, von Haushalt zu Haushalt zu ziehen, immer neue Menschen kennenzulernen und diesen von dem tollsten Staubsauger der Welt zu berichten? Wie schaffst du es, dich von deinem Umfeld abzugrenzen, dass für dich etwas ganz anderes gewollt hat?

Unsere Vision als Berufsoptimierer ist ja (kurzgesagt) eine Welt, in der alle Menschen damit erfolgreich sind, was ihnen am meisten Spaß macht. Um das zu erreichen, sind drei Schritte nötig:

  1. herausfinden, was dir am meisten Freude macht, wo deine Neigungen und Vorlieben liegen
  2. einen dazu passenden Job finden oder ihn selbst kreieren – sei es im Angestelltendasein oder in der Selbstständigkeit
  3. genug Selbstvertrauen und Mut aufbringen, um diesen Weg auch zu beschreiten, auch wenn die eigenen Glaubenssätze (oder die des Umfelds) laut protestieren.

Einfach, oder? Nein, eben nicht – das ist total schwer. Und, noch viel schwerer: bevor du diese drei Schritte gehen kannst, musst du erst Schritt 0 angehen: den Glauben daran wiedererlangen, dass auch du im Job glücklich sein darfst. Dass es Tätigkeiten und Berufe gibt, die Spaß machen. Dass das geht: morgens aufstehen, und dich auf deinen Arbeitsplatz und deine Kollegen freuen. Und dir gleichzeitig eingestehen, dass deine mangelnde Energie, deine Lustlosigkeit, deine häufigen Kopfschmerzen, deine Magenschmerzen, deine latente Unzufriedenheit daher rühren, dass du an irgendeiner Stelle eine berufliche Entscheidung gefällt hast, die jetzt für dich nicht mehr die richtige ist. Und dass das okay ist. Weil du JETZT neu entscheiden darfst.

Tust du das, was dir am meisten Spaß macht? Oder geht da noch was? Du entscheidest selbst – es geht schließlich um den Rest DEINES Lebens.

Herzlichst, deine Katja

P.S. Du hast Schritt 0 getan, und bist bereit, die nächsten Schritte einzuleiten? Dann schau mal hier vorbei – vielleicht liefert dir das die Impulse, die JETZT für dich GENAU richtig sind: www.traumjobschmiede.de

 

Der Glaube kann Berge versetzen..

Im Talmud, der jüdischen „Bibel“ heißt es:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Was sich wie ein netter Poesiealbumspruch anmutet, birgt aber sehr viel Wahrheit – denn das, was wir denken, wird auch zu unserer Realität. Aber woher kommen unsere Gedanken?  Von unseren Glaubenssätzen. Und woher kommen die? Größtenteils von dem, was wir hören. (Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern auf ihre Worte achten, wenn sie mit ihren Kindern sprechen). In diesem Zusammenhang sind Sinnsprüche ganz interessant, denn sie bringen die Gefahr mit sich, Glaubenssätze zu manifestieren. Beispiele gefällig?

  • „Das Leben ist kein Ponyhof“ – was sich zunächst sehr witzig anhört, impliziert aber ziemlich deutlich, dass das Leben hart, aber ungerecht ist, und Spaß und Freude darin keinen Platz hat. Wahrscheinlich auch nicht bei der Arbeit. Das ist sehr schade – denn wir sind der Meinung, dass das Gegenteil der Fall ist: nur, wenn wir Spaß haben an dem, was wir tun, werden wir dies auch wirklich gut machen. Und nur wenn wir die Dinge wirklich gut machen, werden wir damit auch erfolgreich sein (was auch immer die jeweilige Definition von Erfolg ist).
  • „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ (oder auch „Man bringt einem alten Hund keine neuen Kunststücke mehr bei“) – Lernen funktioniert nur im Kindesalter, danach sind wir „ausgelernt“, und sind und bleiben, wie wir sind. Ist das so? Wir wagen es zu bezweifeln. Und wissenschaftliche Erkenntnisse belegen das: der Neurobiologe Gerald Hüther beispielsweise hält ebenso amüsante wie erkenntnisreiche Vorträge zu diesem Thema. Er sagt: wenn du mit Begeisterung und Motivation (da sind wir wieder beim Faktor Spaß!) an eine Sache herangehst, kannst du alles lernen. Zur Veranschaulichung erzählt er in einem seiner Vorträge folgende Geschichte: Ein 80-jähriger Mann verliebt sich unsterblich in eine 60-jährige Chinesin. Diese ist in ihrem heimatlichen Dorf aber so verwurzelt, dass sie nicht dort weg mag. Um die Liebe seines Lebens nicht zu verlieren, zieht er in das Dorf seiner jungen Geliebten. Und nun die Preisfrage: was denkst du, wie schnell der gute Mann Chinesisch lernt?? Wahrscheinlich ziemlich schnell! Also: lass dich nicht kirre machen, wenn du den vermeintlich geistigen Zenit schon überschritten hast und fast-greise 40 Jahre auf dem Buckel hast – wenn du wirklich willst, und mit einer gehörigen Portion Spaß an die Sache herangehst, ist noch nicht alles verloren.
  • „Von nichts kommt nichts“. Okay, du musst jetzt ganz tapfer sein, denn wir müssen dir was sagen.. es fällt uns sehr schwer, weil wir dir nicht wehtun oder deine Träume zerstören wollen, aber wir halten es für unsere Pflicht, es dir zu sagen: den Erfolg „über Nacht“ gibt es nicht… (puh, jetzt ist es raus!) Auch wenn die Sozialen Medien dir das vorgaukeln, und manchmal „plötzlich“ Leute auftauchen und ganz oben sind, von denen du vorher nichts gehört hast. Aber glaube mir: die haben vorher fleißig dafür gearbeitet und viel Zeit in ihren Erfolg investiert. Bestätige ich damit den erwähnten Spruch? Nur bedingt: man muss schon säen, um zu ernten, so ist es nicht. Allerdings sind wir (fast) alle mit der Erwartung groß geworden, dass wir arbeiten müssen, um Geld zu verdienen – und für x Stunden Arbeit Summe y erhalten. Das nennt man „Zeit gegen Geld tauschen“. Es gibt jedoch ganz andere Verdienst- und Einkommensmöglichkeiten (und im Internetzeitalter werden es immer mehr), die zwar einen Einsatz erfordern, aber andererseits die Möglichkeit bieten, sich ein Einkommen zu generieren, dass vom eigenen zeitlichen Aufwand entkoppelt ist. (Einen besonders schönen Überblick bietet Eva Abert in ihrem Orientierungs-Coaching). Und dann kann es passieren, dass man nach einer gewissen Aufbauphase plötzlich aufwacht und feststellt, dass man im Schlaf Geld verdient hat – und plötzlich kommt etwas trotz Nichtstun 😉
  • „Eher passt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt“. Glaubenssätze über Reiche sind sehr weit verbreitet, und gehen eigentlich immer in die Richtung, dass reiche Menschen habgierig und kaltherzig sind. Manifestiert werden diese Glaubenssätze auch noch durch Bücher, Film und Fernsehen. Erinnerst du dich an den Film „Titanic“? Kate Winslets Rose kommt aus gutem Hause und soll einen reichen Langweiler heiraten. Auf dem Deck der Reichen geht es gesittet, aber langweilig zu. Jack (Leonardo DiCaprio in noch ganz jung) fährt auf dem Unterdeck mit den ganzen Tagelöhnern und den einfachen Leuten – und hat dort jede Menge Spaß. Punkt 1: Reich = steif und langweilig, Arm = fröhlich und frei. Dann geht es weiter: was macht der reiche Schnösel, als die Titanic untergeht? Er schnappt sich ein wildfremdes Kind und gibt es als seines aus, um seinen eigenen A… zu retten, während Jack sein Leben für die geliebte Rose lässt. (Schluchz!)

Aber sind reiche Menschen wirklich habgierig, kaltherzig, egoistisch und langweilig? (Wenn du jetzt JA sagst: wie viele wirklich reiche Menschen kennst du denn? Und wenn es nicht viele sind: woher hast du deine Informationen, wie „die“ sind?). Vielleicht hast du schon von der Bill & Melinda Gates Foundation gehört (die mit Abstand die größte Privat-Stiftung der Welt ist). Auf der Startseite steht in großen Lettern: „Alle Leben haben den gleichen Wert“ und etwas kleiner darunter: „Wir sind ungeduldige Optimisten, die daran arbeiten, Ungerechtigkeit zu verringern“. Könnten Bill Gates und seine Frau eine solche Organisation ins Leben rufen, wenn sie „gerade so“ über die Runden kommen würden? Wohl kaum! Selbstverständlich gibt es habgierige Reiche – aber ebenso habgierige „Normalos“. Vielleicht ist es einfach so, dass es von dem Charakter eines jeden Einzelnen abhängt, wie er oder sie sich verhält, unabhängig vom Grad des Reichtums?

Wir sollten sehr vorsichtig mit dem umgehen, was wir sagen, und noch achtsamer damit, mit welchen Informationen wir unser Gehirn füttern. (Näheres dazu auch in unserer aktuellen Podcastfolge). In seinem Online-Kurs „Thinking into Results“ zeichnet Bob Proctor ein Strichmännchen auf, um zu erklären, wie das mit unseren Gedanken funktioniert:

Der obere, größere Kreis repräsentiert unser Gehirn, unterteilt in zwei Teile (in Wahrheit besteht es natürlich aus mehr Teilen, dies ist eine Vereinfachung zum besseren Verständnis): das Bewusstsein, oder unser Denken, und das Unterbewusstsein, wo unsere Glaubenssätze verankert sind. Unser Körper tut nur das, was unser Gehirn (genauer gesagt unser Unterbewusstsein) ihm anweist, und ist deshalb auf diesem Bild als kleinerer Kreis eingezeichnet.

Nun ist es so, dass wir unser Unterbewusstsein nicht bewusst steuern können. Vielmehr wird das, was wir denken, nach und nach ins Unterbewusstsein sickern, und wenn wir immer wieder ähnliche Dinge denken, wird das einen bestimmten Glaubenssatz hervorrufen – oder einen vorhandenen bestärken und verhärten.

Wie aber entstehen unsere Gedanken? Weitestgehend durch das, was wir erleben, denn darauf sind wir getrimmt. „Schau mal hier!“, haben wir als Kinder gehört. „Hör mal zu!“. So wurden wir dahin erzogen, unser Denken durch unsere äußeren Sinne bestimmen zu lassen – durch das, was wir sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen (also anfassen) können. Wenn wir dann gute Dinge hören, beispielsweise, wenn die Eltern uns beispielsweise immer wieder mit einem „Du schaffst das!“ ermutigen, wird das unser Unterbewusstsein, also unsere Glaubenssätze bestimmen, und wir werden mutig handeln. Wenn wir als Kinder aber ständig hören, dass wir vorsichtig sein sollen, werden wir denken, dass es ja zu gefährlich für uns ist – und werden mit entsprechenden Glaubenssätzen in die Welt ziehen.

Genau so ist es mit den Sprichwörtern (was Hänschen nicht lernt.. usw.). Wenn wir in unserem Leben ständig mit solchen Sprichwörtern konfrontiert werden, und dann auch noch Bücher lesen, Filme schauen, Zeitungsartikel überfliegen, die in ein ähnliches Horn blasen, werden wir unsere Glaubenssätze in genau diese Richtung programmieren.

Umgekehrt ist es auch so, dass unser Denken von unserem Unterbewusstsein beeinflusst wird, d.h. wir denken dass, was unser Unterbewusstsein (basierend auf unseren Erfahrungen und früheren Gedanken) uns vorgaukelt, was die Wirklichkeit ist.

Gleichzeitig werden wir als Kinder dafür abgestraft, wenn wir träumen, und auch unter Erwachsenen sind Tagträume verpönt. Dabei können wir unsere Träume nutzen, um gezielt unsere Glaubenssätze umzuprogrammieren – nämlich in die Richtung, in die wir sie haben möchten. Dafür müssen wir aber unsere Träume mit Bedacht wählen, und uns gezielt dorthin träumen, wo wir einmal hinwollen, wie wir leben wollen, oder wie wir sein möchten.

Ebenso können wir Affirmationen nutzen, um, für uns förderliche, Gedanken immer und immer wieder zu denken. Und so können wir über die Zeit unser Unterbewusstsein lenken. Wie das genau funktioniert? Schreibe dir Sätze auf, die als positive Selbstbestätigungen die Realität darstellen, wie du sie gerne hättest oder wie du sein möchtest. Zum Beispiel „Ich bleibe auch in stressigsten Situationen ruhig und gelassen“, wenn du nicht mehr so oft aus der Haut fahren möchtest. „Ich bin wohlhabend und kann gut mit Geld umgehen“, wenn es dir auf den Keks geht, wie ebendieses dir immer durch die Finger rinnt. Diese Sätze liest du dir selber so oft du kannst vor, sagst sie dir zum Spiegel, schreibst sie immer wieder ab.. Das Unterbewusstsein kann solche Gedanken nicht bewerten – wenn es sie also oft genug hört, glaubt es sie. Und verändert den dazugehörigen Glaubenssatz, baut ihn sozusagen um. Und damit ist die Grundlage gelegt, dass das auch zur Realität wird.

Vielleicht denkst du gerade, dass es ja egal ist, wie die Glaubenssätze aussehen und was das Unterbewusstsein dem Körper vorschlägt, da wir ja einen freien Willen haben und das tun, was wir wollen. Jaaa – aber nein. Wir fällen unsere Entscheidungen nämlich in der Regel nicht rational (also mit dem bewussten Denken), sondern emotional (also mit unserem Unterbewusstsein) – und begründen sie dann im Nachhinein rational. (Wenn du darüber mehr wissen möchtest, hör dir das Interview mit Reimo Schaupp an, der erklärt Entscheidungsprozesse nämlich sehr anschaulich). Warum sonst sollten wir so oft Dinge tun, obwohl wir es eigentlich besser wissen? Beispiel Ernährung: wir wissen genau, dass uns Schokolade nicht guttut – greifen dennoch fast automatisch zum nächsten Riegel. Warum? Weil unser Glaubenssatz ist, das Schokolade uns beruhigt, uns gute Laune macht, oder oder oder. Und um unser Gewissen zu beruhigen, sagen wir uns, „ach, das eine Stück mehr kann ja nicht schaden!“.

Wir handeln also nach dem, was unsere Glaubenssätze uns diktieren, und es erfordert eine große Willenskraft, etwas anderes zu tun. Wenn wir zum Beispiel mit dem Glaubenssatz aufgewachsen sind, nicht gut mit Geld umgehen zu können (weil unsere Eltern das nicht konnten und als Familienwahrheit dargestellt haben, oder weil sie immer wieder betont haben, dass wir darin schlecht sind), wird unser Unterbewusstsein uns immer wieder zu Handlungen verleiten, die genau das belegen – nach dem Motto, „ist ja eh egal – ich kann ohnehin nicht gut mit Geld umgehen“. So wird das Ganze dann zur self-fulfilling prophecy, zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Gleichzeitig ist es so, dass unsere innere Haltung (die von unseren Glaubenssätzen und unserem Denken bestimmt ist) unsere Körperhaltung und unsere Ausstrahlung beeinflusst. Denn: ob wir uns gut oder schlecht fühlen, ist ein Resultat unseres Denkens – die ein Resultat unseres Unterbewussten sind. Und das „strahlen“ wir aus (unsere Aura ist messbar, und ändert sich mit unserer Gefühlslage). Andere Menschen nehmen das unterbewusst und intuitiv auf, reagieren darauf und handeln danach. Wenn du beispielsweise voller Selbstzweifel ins Vorstellungsgespräch gehst, wirst du das in der Regel ausstrahlen. Der Personaler spürt das, kann es vielleicht nicht benennen, aber wird dir mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht den Job geben – oft „aus dem Gefühl heraus, dass da etwas nicht stimmt“ (und wird dieses Gefühl aber selbstverständlich rational mit mangelnder Qualifikation begründen).

Mit anderen Worten: es lohnt sich in jedem Fall, genauer hinzuschauen, was deine Glaubenssätze sind. Wie du das machst? Schau auf deine Ergebnisse. Gibt es Dinge in deinem Leben, die nicht so laufen, wie du das möchtest? Überlege, welche Handlungen zu diesen Ergebnissen führen. Dann schau, aus welchen Gedanken diese Handlungen entspringen. Und schon bist du der Sache schon ziemlich nahe gekommen. Und von da aus kannst du dann weiterarbeiten.

Mehr zum Thema? Hör in unsere aktuelle Podcastfolge rein – oder besuche unsere Traumjobschmiede. Denn dort arbeiten wir u.a. an den Glaubenssätzen, die dich davon abhalten, den Job auszuüben, der dir richtig viel Spaß macht. Wir freuen uns auf dich!

Das ist falsch! Oder: warum Fehler machen so wichtig ist

 

Ein Junge läuft von der Schule nach Hause, in der Tasche das korrigierte Diktat. Richtigerweise müsste man sagen: er schleicht. Denn er hat Angst nach Hause zu kommen. Das Blatt ist voller roter Striche, und der Lehrer hat darunter geschrieben „7 Fehler“. Als er schließlich doch zuhause ankommt, warten beide Eltern auf ihn – auch das noch. Nach dem Mittagessen fragt ihn seine Mutter beiläufig nach dem Diktat. Er seufzt, geht zum Schulranzen und bringt ihnen den Beleg seines Versagens. Seine Mutter schaut sich die Klassenarbeit an, und überreicht sie seinem Vater. Der liest sie ebenso gründlich. Dann schaut er seine Frau an, nickt kurz, sie nickt zurück. Beide wenden sich an ihren Sohn, strahlen ihn an und sagen: „Ein Diktat mit 100 Wörtern, und du hast 93 richtig. Gut gemacht!“

Ist das der übliche Umgang mit Fehlern? Eher nicht – aber vielleicht sollte er das sein. Denn nur durch Fehler lernen wir.

Vor nicht allzu langer Zeit musste ich gegenüber meinen Kindern zugeben, dass ich einen Fehler gemacht hatte. („Musste ich zugeben..“ – wie das schon klingt! Geben wir Fehler nur zu, wenn wir sie nicht mehr vertuschen können? Diese Redewendung legt die Vermutung nahe..)

Also, noch mal: vor nicht allzu langer Zeit gestand ich meinen Kindern… schon wieder so ein Begriff: „Ich gestehe! Alles!“. Auch blöd.

Okay, versuchen wir es anders: vor nicht allzu langer Zeit machte ich einen Fehler. Ich erzählte meinen Kindern davon. Nicht, weil ich es musste, oder weil ich mein Gewissen erleichtern wollte – sondern weil ich meinen Kindern einen gesunden Umgang mit Fehlern, ja, eine gute Fehlerkultur beibringen möchte. Und was antwortete mein Großer (schlaue 7 Jahre alt)? „Das macht doch nichts, Mama. Wir machen alle jeden Tag Fehler. Ich auch.“ HA! Da soll mal einer sagen, dass meine Erziehungsmaßnahmen nicht ankommen! Ich war soo stolz…. J

Warum aber fällt es uns so schwer, Fehler zuzugeben, einzugestehen, einzuräumen?

Ich denke, zum Einen liegt es an der Bewertung von Fehlern, die wir schon aus Schulzeiten kennen. Fehler gelten als Makel, als Zeichen von Versagen, von Unfähigkeit, von Faulheit – ja, vielleicht sogar als Zeichen von Dummheit? Wenn wir Fehler machten, fühlten wir uns klein, und schämten uns. Dieses Gefühl werden wir als Erwachsene offenbar nicht mehr los. Das heißt: Fehler erinnern uns an unser Versagen als Kind, und wir fühlen uns minderwertig. Noch schlimmer ist es, wenn uns jemand auf unsere Fehler hinweist: dann fühlen wir uns nicht nur per se minderwertig, sondern das auch noch im Vergleich zu jemand anderem! (das erklärt auch die Reaktion mancher Menschen, wenn man sie auf Fehler hinweist: von eingeschnappt über sauer bis aggressiv habe ich schon alles erlebt).

Zum anderen erleben wir in den Medien eine Erfolgsgeschichte nach der anderen – makellose Menschen, die auf der Erfolgswelle schwimmen (während wir vom Surfbrett fallen und Salzwasser schlucken), und dank grünem Smoothie, jeder Menge klarem Quellwasser und dem Umgang mit den richtigen Leuten das perfekte Leben führen. Das vergleichen wir dann mit unserem – den grünen Smoothie mögen die Kinder nicht, deshalb haben wir aufgegeben, ihn jeden Morgen zu mixen. Klares Quellwasser ist im Ruhrgebiet nur in Flaschen zu haben, und die sind so schwer. Und die richtigen Leute – wo sollen wir die denn noch kennenlernen, inmitten unserem hektischen Alltag? So machen wir einen Fehler nach dem anderen (wir machen uns morgens einen Kaffee, trinken das Wasser aus dem Hahn, treffen uns wieder (!) mit unseren alten Freunden), und? Richtig – wir fühlen uns wieder minderwertig.

Weiter geht’s im Job – weil wir zu viel zu tun hatten, haben wir am Vortag vergessen, einen wichtigen Brief zur Post zu bringen. Was macht der Chef? Er beordert uns in sein Büro und macht uns lang. Und wie fühlen wir uns? Genau!

Abgesehen davon, dass jeder die freie Wahl hat, wie er leben möchte (und ob Kaffee und Kranenberger dazugehören sollten), ist es elementar wichtig, Fehler zu machen – denn nur dann lernen wir. Auch für Unternehmen ist es elementar wichtig, dass die Mitarbeiter Fehler machen, weil dadurch Schwachstellen im System aufgedeckt und behoben werden können.

Beispiel der vergessene Brief: wir hatten am Vortag zu viel zu tun, und dadurch ist es uns durchgegangen – ist passiert, ist ärgerlich. Aber ist es noch rückgängig zu machen? Nein. Anstatt uns rundzumachen, wäre der Chef besser bedient, uns zu fragen, warum wir so viel zu tun haben.

Vielleicht ist die Kollegin kurzfristig krank geworden, wir mussten ihre Aufgaben übernehmen – hatten das aber noch nie gemacht, und die Kollegin hat auch keine für uns logische Ordnung auf ihrem Schreibtisch? Dann könnte eine Lösung sein, für die Zukunft eine Vertretungsregelung (mein derzeitiges Lieblingswort! ;-)) zu schaffen, und sich gegenseitig in die eigenen Aufgabengebiete einzuweisen.

Vielleicht sind durch verschiedene Maßnahmen aber auch mehr Aufgaben bei uns gelandet, als wir menschenmöglich handeln können? Dann wäre eine Idee, die Aufgaben neu zu verteilen.

Vielleicht sind wir aber auch einfach nur überfordert, weil wir nie gelernt haben zu priorisieren? Dann könnte uns ein Seminar in Zeit- und Selbstmanagement helfen.

Das alles bekommt der Chef aber nur raus, wenn er mit uns spricht.

In einem Kurs von Bob Proctor, den ich gerade mache, habe ich die folgenden „Rules for Being Human“ – Regeln fürs Menschsein – gefunden:

“You will receive a body. You may like it or hate it but it will be yours for this time around.

You will learn lessons. You are enrolled in a full-time informal school called life. Each day in this school you will have the opportunity to learn lessons. You may like the lessons or think them irrelevant or stupid.

There are no mistakes, only lessons. Growth is a process of trial and error-experimentation. The failed experiments are as much a part of the process as the experiment that ends up working.

A lesson is repeated until learned. A lesson will be presented to you in various forms until you have learned it. When you have learned it you can then go on to the next lesson.

Learning lessons does not end. There is no part of life that does not contain lessons. If you are alive, there are lessons to be learned.”

 (“Du wirst einen Körper erhalten. Du magst ihn lieben oder hassen, er ist deiner für die Zeit, die du hier bist.

 Du wirst Lektionen lernen. Du besuchst eine informelle Vollzeit-Schule, die sich Leben nennt. An jedem einzelnen Schultag wirst du die Gelegenheit haben, neue Lektionen zu lernen. Es mag sein, dass du diese magst, vielleicht findest du sie aber auch irrelevant oder dumm.

 Es gibt keine Fehler, nur Lektionen. Wachstum ist ein Prozess von Versuch und Irrtum, ein Experiment. Die fehlgeschlagenen Experimente sind ebenso Teil des Prozesses wie das Experiment, das erfolgreich war.

 Eine Lektion wird so lange wiederholt, bis du sie gelernt hast. Dafür wird sie in unterschiedlichen Formen auftauchen – bis du sie gelernt hast. Wenn du sie dann gelernt hast, kannst du zur nächsten Lektion übergehen.

 Der Prozess des Lernens wird niemals enden. Es gibt keinen Teil deines Leben, der keine Lektionen beinhaltet. So lange du lebst, gibt es Lektionen zu lernen.“)

(Autor unbekannt)

Wenn ich mir diesen Text so durchlese, frage ich mich schon, warum in unserer Gesellschaft so einen Bohei um Fehler gemacht wird. Meiner Meinung nach ist das Konzept des Fehlermachens in sich fehlerhaft. Denn wie können wir etwas, was uns hilft, uns weiterzuentwickeln (persönlich oder als Organisation) denn mit solch einem Stigma belegen?

Was würde wohl geschehen, wenn mit einem Streich Fehler als Konzept aus dem Gehirn aller Menschen gelöscht wäre? Die Menschen würden wahrscheinlich neugierig und voller Tatendrang alles Mögliche ausprobieren. Und wenn es nicht funktioniert? Dann probieren sie es halt auf eine andere Art und Weise. Solange, bis es endlich klappt. Hätten wir dann nicht viel mehr Spaß im Leben? Und – für Organisationen natürlich noch viel wichtiger – hätten wir dann nicht viel mehr Innovationen? Weil wir nicht wussten, dass es so nicht geht, dass dieser Weg falsch ist, und es einfach probieren – und, hoppla!, es funktioniert!

Kinder machen das so. Stell dir vor, ein Kleinkind versucht aufzustehen – und plumpst auf den Popo. Was wäre, wenn das Kind dächte, „so ein Mist – jetzt habe ich einen Fehler gemacht. Das mach ich aber nicht noch mal“? Dann lernte es niemals laufen!

Nun ist es natürlich schön und gut und einfacher gesagt als getan, als „Indianer“ in einer Organisation zu beschließen, dass Fehler machen okay ist – wenn die „Häuptlinge“ nicht mitspielen. Natürlich kannst du versuchen, deiner Führungskraft zu erklären, warum es wichtig ist, Fehler zu machen, dass du und das Unternehmen nur davon lernen können und dass er (oder sie) sich deshalb bitte nicht so aufregen soll. Das funktioniert ganz bestimmt! (nicht). Mein Tipp an dieser Stelle: sprich das Thema Fehlerkultur im nächsten Meeting grundsätzlich an. Recherchiere interessante Artikel (oder diesen Blogbeitrag J) zum Thema Fehlerkultur in anderen Unternehmen, und leite diese ans Team (inkl. der Führungskraft) weiter. Steh zu deinen Fehlern – wenn du einen gemacht hast, gehe offensiv damit um, und kommuniziere gleichzeitig, was du beim nächsten Mal anders machen wirst, um den Fehler nicht noch einmal zu machen.

Und wenn du selber Führungskraft bist, und dich manchmal dabei erwischst, Fehler deiner Mitarbeiter nicht durchgehen zu lassen, sondern dann gerne mal aus der Haut fährst: reflektiere dich selbst, warum es dich wütend macht, wenn Fehler passieren. Siehst du diese als ein Zeichen deines eigenen Versäumnisses (weil du die Arbeitslast deiner Mitarbeiter nicht im Blick hattest, nicht dafür gesorgt hast, dass diese gut eingearbeitet sind etc.), und bist eigentlich wütend auf dich selbst? Hast du manchmal selber das Gefühl, nicht gut genug, nicht perfekt genug zu sein, und machst andere (unbewusst) runter, um dich selber zu erhöhen? Bist du eigentlich wegen etwas ganz anderem gestresst, und kannst die zusätzliche Arbeitsbelastung, die das Ausbügeln eines Fehlers mit sich bringt, nun gar nicht gebrauchen? Oder ist es etwas ganz anderes? Sei ehrlich – wenigstens mit dir selbst J

Und übrigens – wenn du Angst hast, dass das Team in Zukunft schlunzig arbeitet, wenn du Fehler nicht mehr ahndest, kann ich dich beruhigen: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit sinkt, nachdem Mitarbeiter für ihre Fehler gerügt wurden. Allerdings tut sie das auch, wenn sie nicht gerügt wurden. Warum? Weil wir Menschen in der Regel aus dem lernen, was wir falsch gemacht haben. Und in Zukunft versuchen werden zu vermeiden, das noch einmal zu tun.

Also: Entspannt euch, bitte. Macht Fehler. Lernt daraus. Und habt Spaß an dem, was ihr tut – dann werdet ihr automatisch versuchen, das auch gut zu machen.

Du möchtest unsere Podcastfolge zu diesem Thema hören? Dann geht das hier

Warum reden plötzlich alle über Werte?

Ich habe das Gefühl, das plötzlich alle Welt über Werte spricht. Wir suchen nach dem Sinn des Lebens – und müssen vorher unsere Werte definieren. Wir wollen bei einem attraktiven Arbeitgeber arbeiten – und überprüfen die Unternehmenswerte. Wir haben einen neuen tollen Partner und erzählen begeistert unserer besten Freundin, dass wir die gleichen Werte teilen (war es nicht früher mal ein Auswahlkriterium, ob der Sex gut ist? Aber das ist ein anderes Thema..).

Auch beruflich stelle ich fest, dass das Thema „Werte“ immer häufiger in den Vordergrund rückt: Auftraggeber verlangen in der Konzeptionsphase, in Trainings auf das Wertethema einzugehen und die Teilnehmer darüber arbeiten und reflektieren zu lassen. Im Karrierecoaching erlebe ich ebenso, dass Klienten einen besonderes Augenmerk auf die Werte eines Unternehmens legen, bei dem sie sich bewerben möchten (oder halt eben nicht). Sogar Bastian kam in unserer letzten Podcastfolge (hier ist der Link) mit dem Thema um die Ecke. Warum? Weil ein Klient ihn darauf angesprochen hatte.

Zunächst einmal: Werte sind wichtig. Punkt. Unsere Werte sind unser innerer Kompass und zeigen uns an, was für uns richtig ist. Unsere Werte geben bestimmten Dingen einen Wert,  und können dadurch die Grundlage für unsere Handlungen sein. Unser größter Wert ist Gesundheit? Dann achten wir auf gutes Essen und viel Bewegung. Unser größter Wert ist Familie? Dann tun wir alles dafür, dass wir so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen.

Oder nicht? Aha – da geht es schon los. Jeder interpretiert Werte anders, und bei jedem löst der eigene Wert eine unterschiedliche Handlung aus.

Wenn wir gegen unsere eigenen Werte handeln, fühlen wir uns unwohl. Auch merken wir ganz schnell, ob jemand gegen unsere Werte verstößt, denn auch dann macht sich meist ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend breit. Gemeinsame Werte sind auch wichtig für eine Gemeinschaft, denn geben den Dingen einen Wert, und beeinflussen dadurch die Art, wie wir miteinander umgehen, und sind eng mit Ethik und Moral verknüpft (und werden deshalb oft verwechselt). Deshalb ist es gut und wichtig, sich einmal über die eigenen Werte Gedanken zu machen – und vielleicht auch mal ein wenig darüber zu philosophieren. Vielleicht helfen dir meine Fragen ja dabei.

Sind Werte unumstößlich?

Sollten Werte das einzige Entscheidungskriterium sein? Und: kann die Frage nach den eigenen Werten überhaupt abschließend behandelt werden? Ist es nicht vielleicht sogar so, dass sich manche Werte gegenseitig in die Quere kommen – weil sie einander widersprechen? Und sind es dann überhaupt ECHTE Werte, oder nur Lippenbekenntnisse?

Kann eine Firma, wenn sie eine gewisse Größe überschritten hat, überhaupt behaupten, Werte zu haben? Oder müsste man dann nicht vielmehr von Handlungsempfehlungen für die Mitarbeiter sprechen?

Können einzelne Abteilungen nicht auch eigene Werte haben, die vielleicht sogar mit den Werten anderer Abteilungen kollidieren?

Verändern sich Werte durch die Ausübungen eines bestimmten Berufes, oder hängt die Berufswahl von den Werten ab?

Können wir die Werte eines Unternehmens verändern, indem wir dort arbeiten?

Wie wichtig sind uns unsere eigenen Werte – und was sind wir bereit, dafür zu tun?

Verändern sich Werte mit der Zeit, in der wir leben? Hat unsere Elterngeneration andere Werte gehabt? Und die Großeltern? Und die Ur-… – ach, egal.

Verändern sich Werte mit steigendem Lebensalter? Und ändern sich dann die Werte, oder die Gewichtung? Oder die Prioritäten? Oder die Art und Weise, wie wir sie interpretieren?

Ist es wirklich wichtig, dass wir mit unserem Partner die gleichen Werte teilen? Und sind es wirklich die gleichen Werte, die wir teilen, oder „nur“ unsere Vorstellung vom Leben, unsere Träume, die wir gemeinsam haben?

Suchen wir unsere Partner wirklich, WIRKLICH nach den Werten aus? Oder sind es die Hormone, die uns lenken, und wir suchen dann nach einer rationalen Begründung für eine emotionale Entscheidung?

Bedeuten Werte wie „Familie“ oder „Freiheit“ das Gleiche für alle Menschen? Wahrscheinlich eher nicht. Weißt du denn überhaupt genau, was es für DICH bedeutet? Und kann sich DAS im Laufe des Lebens ändern?

Braucht es denn überhaupt die über 400 verschiedenen Werte, die definiert sind (wenn man die Synonyme dazu rechnet, sind es wohl mehr als 1200…)?

Wird zu viel über Werte nachgedacht – oder zu wenig?

Kann man Werte lernen?

Können Kinder andere Werte haben als ihre Eltern? Und wenn ja, warum – wenn Werte doch ganz früh durch Vorbilder entstehen?

Passen die Menschen ihre Werte an ihre Umgebung an? Und wenn ja, waren es dann echte Werte?

Gibt es „coole“ und „uncoole“ Werte?

Wo können sich Menschen über die Werte eines Landes informieren? Und sollten sie ihre Urlaubsentscheidungen davon abhängig machen? Oder werde ich gerade albern?

Nein, jetzt mal im Ernst: sollten Menschen, die auswandern, sich mit den Werten des Landes beschäftigen, in das sie ziehen möchten? Und wenn ja, wie machen sie das?

Hat Deutschland eine Liste von Werten, die man nachlesen kann? Und gibt es überhaupt „deutsche Werte“?

Sind das, was gemeinhin als „Werte“ bezeichnet wird, nicht eher „Normen“, also Regeln und Verhaltensvorschriften?

 

In der WAZ gab es im Januar 2016 mal einen tollen Artikel zum Thema „Werte“, in dem der Philosophie-Professor Andreas Niederberger die Unterschiede zwischen Werten, Normen und Tugenden ganz schön erklärt:

  • Werte geben den Dingen Wert – sie verbieten oder fordern aber nichts Konkretes, um sie zu erreichen. Sie geben keine bestimmte Handlung vor. Sie lassen sich nicht in Vorschriften oder Verbote übersetzen.
  • Normenbestimmen, ob und welche Handlungen richtig oder falsch sind. Sie werden durch Moralauffassungen oder in der Gesellschaft festgelegt, etwa als moralisches Gebot oder Gesetz.
  • Tugendendrücken aus, wie tief Moralität und „gutes“ Handeln in einem Menschen stecken. Tugenden beschreiben sozusagen die Handlungsweise eines Menschen.

So, und jetzt noch einmal zum Thema Werte zurück: ist das, was wir gemeinhin als Wert bezeichnen, nicht manchmal eher eine Norm, oder eine Tugend? Vermischen wir da die Begrifflichkeiten nicht allzu oft? Ist beispielsweise „Pünktlichkeit“ ein Wert, oder eine Tugend? Oder gar eine Norm? Oder alles? Lass mich das mal auseinander klamüsern.

Für den einen könnte Pünktlichkeit ein Wert sein („ich lege Wert auf Pünktlichkeit“). Gleichzeitig könnte es Unternehmensvorgabe sein, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen – dann ist es eine Norm. Und es ist dann eine Tugend, wenn jemand immer pünktlich ist. Oder ist Pünktlichkeit nur in den Augen derjenigen eine Tugend, deren Wert das auch ist? Jetzt kommen wir der Sache schon näher, denke ich.

Wenn wir diese Erklärungen zu Rate ziehen, müssen wir uns allerdings die Frage stellen, ob wir bei der Wahl des Arbeitgebers (und des Partners) wirklich auf die WERTE schauen sollten, oder nicht doch lieber auf die NORMEN. Denn wenn Werte keine bestimmte Handlung vorgeben (da ein Wert ja durch unterschiedliche Dinge erreicht werden kann – beispielsweise kann der Wert „Frieden“ mit oder ohne Waffengewalt durchgesetzt werden), können wir ja nicht sicher sein, dass die Werte auch so gelebt werden, wie wir uns das vorstellen. Oder? Ach, ich weiß es auch nicht. Was denkst du?

Eine junge Mutter steht mit ihrem dreijährigen Sohn an der Eistheke. „Nun entscheide dich endlich!“, ruft sie ungeduldig. Der Junge langt nach einem Flutschfinger, fühlt an der Verpackung. Legt ihn wieder zurück. Greift nach einem Capri-Eis, schaut seine Mutter an. Sie nimmt es, geht damit zur Kasse und bezahlt. Als sie die Verpackung öffnet und ihm das Eis in die Hand drückt, weint der Junge.

Er hat die falsche Entscheidung getroffen.

Wir lernen früh, dass wir uns entscheiden müssen. Dass es nur ein Entweder – Oder gibt. Und wie bitter es ist, sich falsch entschieden zu haben – denn meistens gibt es kein Zurück mehr.

Wenn wir erwachsen sind, erfinden wir Tools, um bessere Entscheidungen treffen zu können.

Wir schaffen uns Routinen, um weniger Entscheidungen treffen zu müssen. Wir trainieren unseren Entscheidungsmuskel. Weil wir panische Angst haben, die falsche Entscheidung zu fällen.

 Weil wir schon als Kinder gelernt haben, wie weh das tut.

 Manche Menschen machen es sich leicht, und hören einfach auf damit. Dann entscheidet das Leben für sie. Auch das kann weh tun.

Wir kommen nicht darum herum – wir müssen eine Entscheidung treffen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir unser Leben selber in die Hand nehmen und bewusste Entscheidungen fällen wollen. Oder ob nicht.

Kürzlich haben wir ein Interview mit Reimo Schaupp geführt zum Thema – na? – Entscheidungen.

Er sagt, dass alle Tools und Methoden, die uns helfen sollen, bessere Entscheidungen zu fällen, nur an der Oberfläche kratzen. Nur die Spitze des Eisbergs berühren.

Richtig spannend wird es erst unter Wasser. Denn unter Wasser lauern die Mythen.

Zum Beispiel der Bewusstseins-Mythos: wir glauben laut Reimo nämlich nur, dass wir uns unsere Entscheidungen bewusst und rational treffen – unser Unterbewusstsein übernimmt meistens die Steuerung und entscheidet FÜR uns.

Oder der Alternativlos-Mythos: hast du schon einmal „ich kann nicht“ gesagt? „Ich kann nicht zu deiner Party kommen“. Quatsch! Natürlich könntest du – der Preis ist dir nur zu hoch.

Dazu kommen noch der Samariter-Mythos, der Motivations-Mythos und das Warum hinter dem Warum. (Möchtest du mehr dazu wissen? Dann hör dir das komplette Interview an – oder schau mal auf Reimos Website)

Das Entscheidende dabei ist: wenn wir wissen, auf welcher Basis wir Entscheidungen fällen, und welchem Mythos wir gerade auf den Leim gehen, können wir bewusster – und damit besser entscheiden. Und wenn wir uns bewusster entscheiden, bereuen wir auch nichts.

Manchmal gehen Songtitel tatsächlich in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Tatsächlich war dieser Satz, zumindest in meiner Familie, ein geflügeltes Wort – ein Scherz, der bei jedem Krimirätsel gemacht wurde. Und auch jetzt, wo ich mich daranmache, einen Blogartikel zum Thema „Karrierekiller Nr. 1“ zu schreiben, kam mir dieser Satz wieder in den Sinn (was ich nicht wusste war, dass das tatsächlich der Titel eines Reinhard-Mey-Liedes von 1971 war..).

In diesem Fall stimmt das Klischee aus den alten Edgar-Wallace-Filmen nicht.

Denn: der Mörder deiner Karriere ist nicht der Gärtner.

Sondern du selber.

„Whaaaat!!!!“, sagst du jetzt bestimmt, „wie kann ich denn der Mörder (oder die Mörderin) meiner eigenen Karriere sein, wenn diese mir so am Herzen liegt?“.

Nun ja – wenn dir deine Karriere wichtig ist, und dein Ziel es ist, noch weiter die Karriereleiter hochzuklettern (in der Hoffnung, dass diese an der richtigen Wand steht – mehr dazu in dem spannenden Interview mit Reimo Schaupp, das am 13.5. veröffentlicht wird), achtest du bestimmt darauf, dass du sehr gute Leistungen ablieferst.

Das ist auch wichtig – aber Achtung: das alleine ist noch kein Garant!

Bei karriere.at haben wir eine Studie gefunden, was für deine Karriere noch entscheidend ist. Diese wären:

  • Ein Ziel und einen Plan haben, wie du dieses erreichen möchtest
  • Ein adäquates Selbstbewusstsein
  • Die Fähigkeit, auch nach Misserfolgen weiterzumachen und dich von ihnen nicht herunterziehen zu lassen
  • Furchtlos sein
  • Ein gutes Eigenmarketing betreiben

(interessanterweise stelle ich gerade fest, dass dies alles Eigenschaften von resilienten Menschen generell sind: Zielorientierung. Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Optimismus. Emotionssteuerung. Impulskontrolle. Mehr zum Thema Resilienz kannst du hier nachhören)

Wir glauben allerdings, dass in Zukunft noch andere Dinge elementar wichtig sein werden: Menschen mitnehmen zu können. Menschen einschätzen und nach ihren Stärken einsetzen zu können. Sich selber zugunsten des großen Ganzen zurücknehmen zu können. Und, ganz wichtig – die Bereitschaft, immer weiter zu lernen. (also die restlichen Resilienzfaktoren Empathie und Kausalanalyse :-))

Und wenn deine Karriere dann immer noch stirbt, war es vielleicht doch der Gärtner 🙂

Kaum ein Tag vergeht, an dem in den verschiedenen Medien nicht über Digitalisierung gesprochen wird. Im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben häufig negativ:  Arbeitsplätze fallen weg. Menschen werden durch Maschinen ersetzt werden. 47% der Jobs verschwinden in den nächsten 25 Jahren.

Ja, wir wissen nicht was kommt. Aber was kommt, muss nicht notwendigerweise schlechter sein.

Beispiel Roboter: welches Bild entsteht in deinem Kopf, wenn ich die Worte „Roboter“ und „Pflegeheim“ in einem Satz kombiniere? Welches Gefühl macht sich in deinem Bauch breit? Wahrscheinlich ein Negatives, richtig? Die Vorstellung, dass uns ein kalter, chromblitzender Roboterarm den – Entschuldigung – Hintern abwischt, uns füttert und uns Medikamente einflößt, während wir hilflos im Bett liegen und nicht abhauen können, ist wahrlich ein Schreckensszenario.

Aber das ist auch, von überarbeitetem, genervtem und gestresstem Pflegepersonal gewaschen und gefüttert zu werden. Das so getaktet ist, dass keine Zeit für ein persönliches Wort oder eine freundliche Geste ist. Und das zudem auch noch häufig wechselt, weil niemand diesen Job länger als ein paar Jahre machen kann – schon rein körperlich nicht.

Die heutige Realität ist leider oft näher am zweiten als am ersten Szenario. Denn, machen wir uns nichts vor: nicht alle Jobs heutzutage sind eitel Sonnenschein, sind anspruchsvoll genug, dass wir sie auch nach Jahren noch interessant finden, aber gleichzeitig nicht so stressig, dass wir nicht zielsicher in den Burnout steuern. Und nicht alle Menschen (auch nicht im Dienstleistungssektor) machen ihren Job so gut und gerne, dass es eine wahre Freude ist, sich in ihrer Gegenwart aufzuhalten.

In seinem Buch „Mythos Fachkräftmangel“ (sehr empfehlenswertes Buch!) beschreibt Martin Gaedt (sehr empfehlenswertes Interview!) ein Pflegeheim in den Niederlanden, dass bereits heute schon Roboter in der Pflege einsetzt (OMG, ich hab’s getan – ich habe beide Wörter in einem Satz verwendet!!). Und zwar beispielsweise für körperlich anstrengende Tätigkeiten, wie die Senioren aus dem oder ins Bett zu heben oder umzulagern. Das Resultat? Das Pflegepersonal wurde entlastet, fiel nicht so häufig aus Krankheitsgründen aus (der Rücken!), und hatte mehr Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt zur Verfügung, für ein liebes Wort, eine gehaltene Hand. Durch die geringeren Ausfallraten (und aus Überzeugung) wurde das Pflegepersonal zudem besser bezahlt als der Durchschnitt, und arbeitete noch lieber in diesem Heim. Das Resultat: keine unbesetzten Stellen. Kein Fachkräftemangel. Glückliche Mitarbeiter. Glückliche Patienten. Roboter im Pflegeheim.

Deshalb an dieser Stelle ausdrücklich: Digitalisierung ist nicht per se schlecht. Im Gegenteil: sie bietet viele Chancen – wenn man ein wenig nachdenkt und flexibel ist.

Womit wir schon bei einem Problem Deutschlands angelangt sind: der Flexibilität.

Wie eingangs erwähnt, sind laut einer Oxford-Studie aus dem Jahr 2013 in den nächsten 25 Jahren fast die Hälfte der heutigen Jobs in Gefahr.

Gleichzeitig entstehen neue Jobs, von denen wir heute noch gar nichts wissen. Und genau hier liegt der Hund begraben:

Deutschland ist ein Ausbildungsland. Viele Länder beneiden uns um das System der dualen Ausbildung, der Kombination aus praktischem Lernen im Unternehmen und Theorieunterricht in der Berufsschule. Dadurch erlangen Arbeitnehmer ein fundiertes Wissen in ihrem Bereich – soweit, so gut.

Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass sich Firmen schwer damit tun, Bewerber als Quereinsteiger in einen nicht erlernten Beruf einzustellen. Weil es schlicht und einfach vom System nicht vorgesehen ist, dass wir einen Beruf ausüben, den wir nicht von der Pieke auf gelernt haben.

Und da es über Jahre und Jahrzehnte auch gar nicht üblich war (viele Arbeitnehmer aus den Geburtsjahrgängen bis in die 1980er Jahre hinein sind mit der Erwartung in eine Ausbildung gegangen, in dieser Firma auch in Rente zu gehen), sind viele Unternehmen, sind viele Personaler noch in der alten Denke verhaftet. Und tun sich folglich schwer damit, Quereinsteiger einzustellen.

Aber genau diese Flexibilität im Denken und im Handeln, dieses Zulassen von Ungewöhnlichem, und ja, die Akzeptanz von „ungeraden“ Lebensläufen, brauchen wir, um zukunftsfähig zu bleiben – sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Arbeitnehmern.

Quereinsteiger werden in den kommenden Jahren einen immer größeren Teil der Bewerber ausmachen (müssen). Angelsächsische Länder sind uns in diesem Punkt um Jahrzehnte voraus: sie kennen unser System einer 3-jährigen dualen Ausbildung nicht. Die meisten Arbeitnehmer werden „on the job“ angelernt, und sind folglich per se Quereinsteiger. Das führt zu einer generellen Offenheit gegenüber Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen. Und das hilft, auch „nach vorne“ offen zu sein. Und flexibel.

Lasst uns ein bisschen querer sein, ein bisschen schräger, ein bisschen ungewöhnlicher. Das öffnet den Horizont – unseren eigenen. Und den unseres Landes.

(kürzlich haben wir eine Podcastfolge zum Thema Quereinstieg (und wie er gelingt) gemacht. Hier findest du sie)

 

Die Berufsoptimierer feiern Einjähriges!

Und was war es für ein ereignisreiches Jahr für uns Berufsoptimierer!

Wie fing es an, was haben wir gelernt?

Am 1. Januar 2017 waren wir noch Katja und Bastian.

Sie: Trainerin, Beraterin und Karriere- und Bewerbungscoach.

Er: Recruiter, Hobbyfotograf und Nachwuchscoach mit den ersten institutionellen Kunden.

Irgendwann im Februar fassten wir dann den Entschluss, unsere Ressourcen zu bündeln und neben unseren jeweils eigenen Businesses das Abenteuer Podcast zu starten.

Startschuss: 26.4., die Geburtsstunde des Berufsoptimierer-Podcasts.

Ziemlich neu, naiv, aber engagiert schrieben wir seitenlange Abhandlungen für unsere Podcastfolgen.

Brauchten gefühlte 20 Versuche, um, vor einer mit einer Decke verhangenen Schrankwand sitzend, um den Hall zu schlucken, den Anfang der ersten Folge aufzunehmen.

Und waren bei unserem ersten Interview mit Felix Plötz noch so aufgeregt, dass wir ganz vergassen, dass wir auch Hörer haben – und haben nur die Fragen gestellt, die uns interessierten.

Mittlerweile sind wir älter und weiser.. 😉

..und haben selbstverständlich alles im Griff..

(..wenn wir nicht gerade Interviews aus Facebook löschen, die nirgendwo anders aufgezeichnet sind, vergessen, emails zu beantworten, oder uns von unseren Interviewgästen die Butter vom Brot nehmen lassen..)

Ende letzten Jahres hatten wir schon mal ein 2017er-Fazit gezogen – und wenn ich mir das so durchlese, hat das immer noch seine Gültigkeit:

  1. Zu zweit ist man weniger allein!

Anders ausgedrückt: tut Euch zusammen! Das macht mehr Spaß, Ihr könnt Euch gegenseitig beflügeln und es hilft, dran zu bleiben.

  1. Mach Fehler. Aber mach!

Niemand ist perfekt. Am Anfang nicht, und später auch nicht. Zu sitzen und zu warten, bis Du perfekt  bist, macht also gar keinen Sinn.

  1. Bleib dran!

Auch wenn es schwierig wird, und Du an Deiner Kompetenz, Deinen Ideen oder an dem Vorhaben an sich zweifelst – wenn Du grundsätzlich der Meinung bist, dass es der richtige Weg ist, bleib dran! Punkt 1 wird Dir dabei helfen.

  1. Sei einfach Du selbst – alle anderen gibt es schon!

Mach es so, wie es für DICH gut anfühlt. Authentische Menschen kommen besser an, und es wird sich für Dich nicht wie schwere Arbeit anfühlen, wenn Du dabei Du selbst sein kannst.

  1. Reflektiere Dich regelmäßig, aber steh Dir dabei nicht im Weg!

Halte hin und wieder inne und überlege, ob Du das, was Du tust, so tust, wie Du es willst – und ob Du es gut machst. Aber überdenke nicht jeden Prozess jeden Monat, bis Du ihn totverbessert hast (siehe Punkt 2)

  1. Stelle Vereinbarungen über Erwartungen

Erwarte nichts von Deinem Partner oder Kollegen – vereinbare lieber Dinge. Dadurch könnt Ihr sicher sein, dass Ihr über das Gleiche sprecht. (darüber haben wir sogar eine ganze Podcastfolge gemacht)

Und jetzt ist unser Baby schon 1 Jahr alt – und ist es nicht süß 😉

 

Vor fast 18 Jahren lernte ich meinen jetzigen Mann kennen (ich war ungefähr 12 ;-)). Ich fand ihn sofort gut – er war witzig, er war ironisch, er war hilfsbereit. (Ist er übrigens heute noch) Eine Sache, die mich außerdem besonders beeindruckte, war sein Auto: er fuhr einen Mercedes CLK 320. Anthrazit. Sehr schick!

 

Für mich war das ein Zeichen von Erfolg. Aber nicht im Sinne von „Erfolg = Geld“. Sondern im Sinne von, „er ist erfolgreich, also macht er seinen Job offensichtlich gut“.

Und das hat mich beeindruckt.

 

Es gibt verschiedene Definitionen von Erfolg, und jeder hat wohl seine eigene. Vor wenigen Wochen hatten wir Julien Backhaus im Interview (hier geht es übrigens zum Interview). Julien ist 32 und galt als der jüngste Verleger Deutschlands, als er mit 24 den Backhaus Verlag gründete. Heute verlegt er Print- und Online-Magazine wie z.B. das Sachwert Magazin und das ERFOLGMagazin, und interviewt dafür Menschen wie Wladimir Klitschko, Bülent Ceylan und Tokio Hotel. Auf Facebook kann man ihn in seiner Serie „Backhaus Daily“ dabei beobachten, wie er mit seinem Privatjet in der Gegend herumdüst, Vorträge hält und sich mit berühmten Leuten trifft.

 

Kurz: nach allen gängigen Maßstäben würde ich Julien als erfolgreichen Menschen beschreiben.

 

Und natürlich konnten wir uns nicht verkneifen, ihm genau diese Frage zu stellen: „Was ist für dich Erfolg?“. Nicht gerechnet hatten wir mit seiner Antwort, die da lautete: „Erfolg ist für mich Glück“.

 

Erfolg ist Glück. Anders ausgedrückt: ein glücklicher Mensch ist ein erfolgreicher Mensch.

 

Natürlich könnte man argumentieren, dass es leicht ist, glücklich zu sein, wenn jemand so reich ist wie Julien (bzw. so reich ist, wie wir annehmen, dass Julien ist). Aber es gibt ganz bestimmt auch unglückliche Reiche, genauso wie es unglückliche Arme gibt.

 

Wenn wir aber einfach mal von der Hypothese ausgehen, dass Glück erfolgreich macht, sollten wir dann nicht aufhören, uns die Frage zu stellen, „wie werde ich erfolgreich?“, sondern vielmehr fragen, „wie werde ich glücklich?“. Und da Glück ja meistens kein Dauerzustand ist, sondern aus vielen kleinen glücklichen Momenten besteht, könnten wir uns im nächsten Schritt die Frage stellen, „was macht mich glücklich?“. Und wenn wir wissen, was uns glücklich macht, können wir diese Situationen bewusst herbeiführen.

 

Ich weiss zum Beispiel, dass es mich glücklich macht, draußen zu sein. Mich macht es auch glücklich zu schreiben. Und mich macht es glücklich, wenn meine beiden Söhne schön zusammenspielen (was nicht immer der Fall ist).

 

Während ich diesen Text schreibe, sitze ich auf unserem üppig blühenden Balkon (den übrigens mein Mann bepflanzt hat – im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass er auch einen grünen Daumen hat :-)), und meine Jungs spielen gemeinsam im Sandkasten. Also: in diesem Augenblick bin ich glücklich!

Wie wäre es, wenn wir einfach viel mehr glückliche Momente sammeln würden – so ganz absichtlich? Wären wir dann nicht alle viel erfolgreicher?

 

Und wie wäre es, wenn wir einfach im Beruf viel mehr Dinge tun, die uns Freude machen? Hätten wir dann nicht viel mehr dieser glücklichen Momente? Und wären wir dadurch nicht viel erfolgreicher? Und – und jetzt wird es ganz verrückt – würden wir dann unseren Job nicht viel besser machen? Und würde dann nicht auch die andere Definition von Erfolg greifen, nämlich, dass erfolgreich ist, wer seinen Job gut macht?

 

Nee, ich glaube, das geht nicht. Zu verrückt die Idee. Vergiss es einfach. 🙂

 

P.S.: Da ich ja nicht nur gerne rede, sondern auch gerne schreibe, hat mir Julien angeboten, einen Artikel für sein ERFOLGMagazin zu verfassen. Cool, oder?

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